Vermischtes
27.06.2012 13:17
Experte: Neues Jenaer Schmerzregister verbessert Therapien
Anästhesist: Schmerzregister "absolut notwendig"
Berlin/Göttingen (dapd-lth). Sowohl Ärzte als auch Patienten werden nach Einschätzung des Schmerzexperten Frank Petzke stark von dem neuen europaweiten Register für postoperativen Schmerz profitieren. Mediziner hätten die Möglichkeit, anhand der gesammelten Behandlungsdaten aus derzeit mehr als 200 Krankenhäusern, ihre eigene Therapie zu überprüfen und anzupassen, sagte der Leiter der Schmerzklinik an der Universität Göttingen im dapd-Gespräch.
Für die Ärzte sei die Datenbank eine Hilfe im Praxisalltag, mit der sie überprüfen könnten, welcher Behandlungsansatz im konkreten Fall das beste Verfahren sei. Da es bislang keine allgemein verbindlichen Standards für Schmerztherapien nach Operationen gebe, sei das in der Anlaufphase befindliche, derzeit größte Schmerzregister Europas an der Universität Jena "absolut notwendig", fügte Anästhesist Petzke hinzu, der als Vorstandsmitglied der Deutschen Schmerzgesellschaft tätig ist.
Patienten wiederum erfahren auf diese Weise "unmittelbar eine bessere Behandlung", wie Petzke erläuterte. Insbesondere der Gefahr, dass schlecht therapierter Schmerz nach einer Operation chronisch werde, könne verstärkt entgegenwirkt werden. "Schlecht behandelter postoperativer Schmerz ist ein Risiko für eine Chronifizierung", sagte Petzke.
Das neue Schmerzregister schaffe bei den behandelnden Ärzten in den Krankenhäusern zudem mehr Bewusstsein im Umgang mit Schmerzen. Durch den Fragebogen, den Patienten nun nach Operationen ausfüllen sollen, würden Probleme eher wahrgenommen. Im Klinikalltag werde der Patient oft nicht nach seinen Schmerzen gefragt, weiß der Schmerzexperte. Patienten wiederum würden den Ärzten nicht immer von ihren Schmerzen berichten.
Die Deutsche Schmerzgesellschaft arbeitet laut Petzke bereits an einem weiteren Schmerzregister. Das System soll Daten zu chronischen Schmerzerkrankungen erfassen und Ärzten zur Verfügung stellen.
dapd